Ob wir das Rebranding zu Achtzehn Grad nochmal machen würden? Einfach nur nein.

03.03.2026
Bold & Beyond

Das ist kein Beitrag über die Top 5 Learnings aus unserem Rebranding. Hier gibt’s weder Show-off akademischer Marketingkenntnisse noch KI-optimierten LinkedIn-Sprech (LinkedIn sowieso schlimmster Ort der Welt). Dies ist eine Momentaufnahme 1 Jahr nach unserem Markenrelaunch, frei Schnauze und ohne Buzzwords. Warum? Hauptsächlich zwecks Katharsis.

Von
Anna Benda
Raphael Berthold
tnd

Erstmal zum Kontext

Vor einem Jahr, am 03.03.2025, haben wir unsere Agentur unter der neuen Marke Achtzehn Grad gelauncht. Weil dahinter aber mehr steckt als ein Name und ein Logo, hatten wir zu diesem Zeitpunkt schon wirklich wilde Zeiten hinter uns.  

Nachdem der Gedanke schon lange im Raum stand, machten wir im Juli 2024 Nägel mit 4 Köpfen: Creative Director, Art Director, Account Management Director und Strategic Planner sperrten sich regelmäßig zusammen ein und erarbeiteten eine ganz neue Markenstrategie (Brand Essence, Vision, Mission, Positionierung, Markenwerte). Ende Oktober holten wir uns bei einem Tequila Sunrise (ekelhaft, aber passend zur Brandstory) von der Geschäftsführung das Go. Pünktlich zum Q4 Start (Schnapsidee, oder?) wurde das gesamte Team eingebunden. Gemeinsam gings an Visual Branding, Brand Voice, Website, Kommunikations- und Social Media Strategie, Roll-out Planung inklusive IT, Kundeninformation, Merch, Launchevent, Launchkampagne, … Erinnerungen, die jetzt noch ambivalente Gefühle auslösen.  

Wir hatten einen Haufen schlechter Ideen

  • Rebranding inhouse umsetzen. Super Idee, weil niemand kennt uns so gut wie wir selbst, oder? Ja. Gleichzeitig auch ganz schlechte Idee, weil niemand ist so nah (zu nah) dran, wie wir selbst.  
  • Hochphase im Q4: Ein riesiger, unbezwingbar wirkender Berg an Zusatzarbeit im Q4 – well. Merken wir selber …
  • Das ganze Team einbinden. Jede*r hat eine (andere) Meinung, das erzeugt extrem viel Abstimmungsbedarf untereinander, was zeitintensiv ist und oft extra Nerven braucht.
  • Eine Marke begraben, der sich das Team verbunden fühlt. Wir haben nicht damit gerechnet, wie schwer loslassen ist – anfangs waren viele Ideen zu nah am Alten. Und: Es gibt auch Leute, die da nicht mitgehen wollen oder können, für die eine Neuausrichtung aus fachlichen oder persönlichen Gründen nichts ist. Auch bei uns haben Menschen im Zuge des Prozesses das Unternehmen verlassen.  
  • Ein offenes Briefing. Kaum Vorgaben und die Verantwortung dafür, dass es gemacht wird, abgeben, klingt erstmal wie ein Traum. Die Realität zeigt aber: Zu viele Möglichkeiten lähmen. Auch uns. Das hat für Frust bei allen Beteiligten gesorgt.  
  • Rebranding in einer wirtschaftlichen herausfordernden Zeit. Auch wenn die Verdrängungs-Mechanismen gut greifen: Ende 2024/Anfang 2025 waren harte Zeiten in unserer Branche – und darüber hinaus. Auch für uns. Den Luxus, Ressourcen freizuschaufeln für ein Rebranding, hatten wir daher nicht. Alles musste neben dem bestehenden Workload stattfinden. Ja, früher wäre gescheiter gewesen, aber sowas weiß man erst hinterher – und länger warten war keine Option.  
  • Druck und Stress an allen Enden.
LOL

Nach dem Schock, das Dopamin

  • Wir haben eine durchdachte Marke. Mit einer überzeugenden Brandstory. Das zeigt Wirkung. In der internen Identifikation, in der Wahrnehmung am Markt, in der Qualität der Anfragen, in den Pitch-Einladungen, wir ziehen die richtigen Menschen an, wir sind stark aufgestellt. Türen, die uns früher versperrt waren, stehen jetzt sperrangelweit offen. Und jede einzelne Person weiß, durch welche Türen wir gehen wollen und durch welche nicht.  
  • Wir sind noch da. Besser, zusammener als vorher.

Ok, ein paar mehr positive Punkte gabs noch:

  • Wir haben einen Taste bekommen, wie es für unsere Kunden ist. Und konnten den Prozess nachschärfen. Wie wir dabei vorgehen, findet ihr hier.
  • Wir haben viel übereinander, unsere Arbeitsweisen und im Umgang miteinander gelernt.
  • Es stecken unser aller Schweiß und Tränen in der Marke – das (ver)bindet.

Würden wirs nochmal machen?

Nein. Niemals.
Sind wir froh, es gemacht zu haben? Ja. Absolut.

Und weil wirs richtig und nicht nur oberflächlich gemacht haben, müssen wir uns diese Frage gar nicht stellen. Denn aus dem langen, nervenzehrenden Prozess ist eine wunderbare Marke hervorgegangen, die stark und durchdacht ist, die zu uns passt und zu den Zeiten, in denen wir leben – und genau deshalb lange bestehen bleiben kann.

Callout: Wer sich jetzt denkt, „Geh bitte, jetzt habens scho wieder nicht gsagt, warums eigentlich Achtzehn Grad heißen“, findet diese und weitere Antworten in unserem Brand Book: brand.achtzehngrad.at

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