Führung ist anstrengend.

03.11.2026
–
Opinion

Führung hat einen Meinungsmarkt, so groß wie sonst kaum ein Thema. Es gibt gefühlt so viele Meinungen wie LinkedIn-Posts, und je nach Gesprächspartner*in mach ich alles falsch, nur eben jedes Mal etwas anderes falsch. Umso mehr freut mich, wenn ich auf Gleichgesinnte treffe. Meine eigene Meinung dazu lese ich selten irgendwo, also schreib ich sie selbst auf, auch wenn das hier nicht zwingend der passende Ort dafür ist.

Von
Christopher Röder
Vorschaubild - Gif von The Office - Kopfschütteln

Führen ist anstrengend, oft undankbar, und wird gern von der Seitenlinie aus kritisiert. Am lautesten sind dabei komischerweise oft jene, die mit dem Thema selbst noch nie wirklich in Berührung gekommen sind.

Ein Beispiel dazu sind Lob und Anerkennung. Je mehr ich darüber lese, desto mehr habe ich das Gefühl, dass es hier zwei extreme Meinungslager gibt – und nur Richtig oder Falsch. Wir Menschen denken gerne in Absoluten, das macht absolut alles einfacher. Das ist Käse, Führung ist so individuell wie eine Person selbst. Seinen eigenen Weg zu finden ist anstrengender und wird mit ziemlicher Sicherheit früher oder später kritisiert. Trotzdem bin ich absolut überzeugt, dass es schlussendlich der einzige Weg ist. Zurück zum Beispiel: Ausschließlich zu loben und zu motivieren ist für mich nicht immer möglich. Wenn fixe Regeln oder Prozesse gebrochen werden, muss es auch Konsequenzen geben. Allerdings sind Maß und Ziel hier sehr wichtig. Schließlich soll es keine Machtdemonstration sein, sondern ein strenger, ernstgemeinter Hinweis: So geht es nicht, und nochmal machen wir das bitte auch nicht.

Im Gegensatz dazu herrscht gefühlte Einigkeit bei den Punkten Kommunikation und konsequentes Verhalten. Eh klar, wenn ständig Meinungen, Prozesse und Regeln geändert werden, gibt das keinen Halt. Klare, verständliche Kommunikation ist genauso wichtig, da erzähle ich jetzt nichts Neues, das steht in jedem KI generierten Power-Posting. Klingt einfach, ist aber anstrengend, weil beides nie fertig ist. Prozesse und Regeln müssen erst etabliert, dann erhalten und immer wieder angepasst werden, und genau dafür braucht es Kommunikation, die nie aufhört, und Konsequenz, die durchgehalten wird. Gerade das Durchhalten wird gern vergessen. Fehler zuzugestehen, auch die eigenen, und Zeit zum Entwickeln zu geben, ist heute fast ein No-Go, es soll ja alles sofort perfekt laufen. Tut es bei mir nicht, oder selten. Es bleibt ein ständiges Abwägen, Entscheiden und Kommunizieren, eben konsequent, weil Prozesse nie fertig sind und Regeln laufend getestet werden. Stur zu sein hilft dabei öfter, als ich gedacht hätte.

Besonders schwierig sind die Tage, an denen gar nichts so funktioniert, wie ich mir das vorstelle. Ich glaube, jede*r kennt diese Tage. Wenn alles Gelernte vergessen wurde, nichts läuft und egal wie sehr ich mich bemühe, es wird nicht besser. Was ich hier gemerkt habe: Je mehr ich versuche dagegenzuhalten, desto schwieriger wird es, ich nenne das gerne das Treibsandphänomen. Ab und zu muss ich lockerlassen, die Führung für eine Zeit abgeben und einfach mitlaufen. Ich glaube, das schafft Vertrauen und hilft in der Entwicklung der Selbstständigkeit. Die Momente, in denen alles funktioniert und ich eigentlich nur ein Mitläufer bin, sind so schön, dass ich persönlich mich später meist nur an diese erinnere.

Wenn ich zurück an den Anfang denke, habe ich mich viel zu verrückt gemacht mit all den Meinungen und Tipps, die einem aufgedrängt werden. Gute Führung ist kein Hexenwerk und kein Top-Level-Performance-Management-Geheimnis, auch wenn das gerne so verkauft wird. Ich versuche, aus Bruno nichts zu machen, was er nicht ist, und zusammen finden wir unseren Weg. Ja, ich rede von meinem Hund. Wahrscheinlich trete ich mit meiner Meinung zur Hundeerziehung hier einigen auf die Füße, ich sag ja nicht, dass ich alles richtig mache, ich mache für Bruno und mich richtig, was für uns funktioniert. Das kann ich allen nur ans Herz legen: Nicht auf zu viel Geräusch von außen hören, sondern auf die eigene Intuition und den eigenen Hund.

Was mir besonders geholfen hat und weiterhin hilft, sind alle Kolleginnen und Kollegen in unserer Agentur. Alle Hunde werden geschätzt und respektiert, und es ist schön zu sehen, dass sich alle fast so sehr über meinen kleinen Fellfreund freuen wie ich. Gerade in der Arbeit sind sie eine super Stütze, trösten uns, sind immer happy und gut gelaunt (außer es regnet) und heben damit unsere Laune jeden Tag aufs Neue. Dafür ein Danke an Ilvy, Nami, Mochi und Bruno.

PS. Bruno hat mir in den letzten sechs Monaten mehr über mich und auch die Führung eines Unternehmens beigebracht als jede Schulung, gut gemeinter unerwünschter Tipp oder jedes Lehrbuch, und dafür werde ich ihm immer dankbar sein.

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